Panorama nach Südwest - aus der 28. Etage

Panorama nach Südwest - aus der 28. Etage

Freitag, 18. Juni 2010

Berlin hat uns wieder

Wieder zu Hause. Der Flug verlief entspannt. Wir hatten den letzten Teil über eine tolle Sicht und konnten das Hochwasser von Oder und Warthe sehen. Berlin hieß uns mit tollem Sommerwetter und Naturduft willkommen. Selbst hier in unserer Wohnung kann ich den Holunder riechen.
Am Ende konnten wir doch nicht so viel Gepäck von anderen mitnehmen. Wir hatten noch ziemlich viel Kleinkram, der auch untergebracht werden musste. Es werden wohl insgesamt 160 Kilo Gepäck gewesen sein. Die müssen in den nächsten Tagen hier einsortiert werden. Ein neues Billy-Regal für die Bücher muss her!
Und bald wird es das erste Grillen im Park geben. Das haben wir sehr vermisst.
Jetzt werde ich mich aber erst einmal in unserem drei Meter breiten Familienbett ausstrecken und die Stille genießen!

Mittwoch, 16. Juni 2010

Noch 2 Tage

Übermorgen fliegen wir! Schon! Naja, eigentlich ist ja schon Mittwoch, es ist 3:30 Uhr. Dann fliegen wir also schon morgen sozusagen.
Wir beeilen uns noch viel zu sehen, haben volle Tage. Abends packen wir schon seit einigen Tagen die Sachen. Koffer Nummer 3 ist heute fertig geworden. Wir haben so viel Platz, dass wir Anderen aus der Klemme helfen können, die ihre Sachen sonst nicht zurück nach Deutschland bringen könnten. Da wir mit einem Kleintransporter zum Flughafen gebracht werden, ist das zusätzliche Gepäck kein Problem.
Morgen holen wir die verschobene Bootstour vom Wochenende nach. Wir wollten nicht das Dreifache ausgeben, nur weil Sonntag ist. An Wochentagen kostet die Rundfahrt nur knappe 4 Euro pro Person. Leider werden wir morgen 1 1/2 Stunden unter einer dichten Wolkendecke durch Moskau schippern, der Sommer ist wieder mal weg - auf seiner Datscha vielleicht?!
Viele unserer Moskauer Bekannten machen genau das und sind schon im Urlaub. Es ist durchaus üblich, den ganzen Sommer außerhalb von Moskau im Ferienhäuschen oder bei den Eltern zu verbringen. Wer eine Datscha hat, wird keinen Tag länger in Moskau bleiben als nötig.
Gestern sind wir das erste Mal außerhalb Moskaus gewesen. Wir waren in Vladimir.
Die Stadt war wirklich schön. Es gab dort sehr viele alte Kirchen und Klöster, in der Umgebung viele Wälder und echte Kühe! Spannend war vor allem die Zugfahrt zurück nach Moskau. Da Montag mal wieder so ein verschobender Feiertag war, zog es viele Moskauer über das Wochenende ins Grüne. Mir scheint, wir haben mit unserem Zug alle auf einmal wieder eingesammelt. Glücklicherweise hatten wir Sitzplätze ergattert. Die Kinder auf dem Schoß saßen wir sogar am Fenster. Seba und ich wir wechselten uns immer mit dem Anlehnen ab, beide gleichzeitig ging nicht.

Sonntag, 13. Juni 2010

keine Zeit, keine Zeit

Die Wachteln waren echt lecker! Wir haben sie zwar nicht "an Pflaumensoße" oder so gemacht, sondern einfach gebraten und fertig. Schmeckt wie Huhn, nur viel kräftiger.
In den letzten Tagen war absolut keine Zeit zum Bloggen. Wir sind sehr viel unterwegs. Irgendwie schleicht sich langsam Torschlußpanik ein. Wir haben nur noch 5 Tage!!!! Und wir haben noch nicht alles gesehen!
Zugegeben, das würden wir auch in einem Jahr nicht schaffen. Moskau ist so vielfältig und riesig, obwohl es von der Fläche nur so groß wie Berlin ist. Da wird wohl immer das Gefühl bleiben, etwas verpasst zu haben.
Jetzt geht es zum Moskwa-Fluß, wir wollen eine Bootstour machen. Das Wetter ist endlich auch wieder schön. Wir haben noch nie so viel Nebel im Sommer erlebt wie hier.


Dienstag, 8. Juni 2010

Wachtelfilet???

Bisher haben wir uns, ehrlich gesagt, nicht getraut Fleisch zu kaufen. Im großen Supermarkt, wo wir sonst immer einkaufen, sind die Kühltruhen offen und meist nur mäßig kalt. Auf dem Markt vor der Metro gibt es einige Fleischer. Aber deren Buden sahen uns auch nicht so vertrauenserweckend aus. Wir wussten einfach nicht, worauf wir achten müssen, um frisches und gutes Fleisch zu bekommen. Nun haben wir von zwei Bekannten auf unserer Etage eine Empfehlung für einen Stand bekommen. Seba machte sich also mit den Kindern auf, Fleisch zu jagen...
Die Fleischverkäuferin sah unserer Kinder, fragte, ob das Fleisch auch für die Kinder sei. Auch für den Kleinen? Na dann kommen Sie mal mit. Hier ist ganz frisches Fleisch. Das andere dort ist tiefgekühlt und manchmal schon 6 Monate alt. Das hier wurde gestern erst geschlachtet. An was hatten Sie denn gedacht? Rind? Schwein? Was halten Sie von Wachtelfilet? Enthält fast kein Cholesterin, ist sehr gesund.....
Und so weiter. Die Preise waren unverschämt niedrig. Es gibt nicht, wie bei uns große Preisunterschiede zwischen Filet und dem Rest.
Seba kam mit einem großen Stück Rinderfilet nach Hause. (Das kostete 12 Euro pro Kilo! In Deutschland haben wir bisher verzichtet, 30 Euro dafür zu bezahlen. Wir essen sonst eher wenig Fleisch.)
Und Wachtelfilets. Ich hatte bisher nicht daran gedacht, so etwas mal zu probieren. Aber für 7 Euro pro Kilo - warum nicht?!
Das Rinderfilet haben wir gestern zusammen mit Zwiebeln und Kartoffeln in den Ofen geschoben, sehr lecker. Aber was machen wir bloß mit den Wachteln? Irgendwelche Ideen??? Vielleicht hat einer von Euch Erfahrung mit diesen Hühnervögeln?

Freitag, 4. Juni 2010

Sommergewitter

Seit einiger Zeit gibt es an warmen Tagen zum Nachmittag hin immer kurze Gewitter mit Regenschauern. Heute kletterten die Temperaturen auf stolze 28 Grad, deshalb fiel das erwartete Donnerwetter etwas heftiger aus als sonst.
Schlagartig verdunkelte sich der Himmel, die Straßenlaternen gingen sogar an. Der Wind drückte von Südwesten gegen das Hauptgebäude und dort, wo Durchzug war, knallten die Fenster. Insgesamt sechs Mal klirrte es und Scherben fielen scheppernd in den Innenhof! Auf dem Flur unserer Etage mussten zwei Menschen zusammen ein offenes Fenster mit vereinten Kräften zudrücken.
Wir beobachteten ein Hochzeitspaar, das zusammen mit dem Fotografen Schutz suchte in einer meterlangen Limousine. Das obligatorische Hochzeitsfoto, für das vor allem am Wochenende Scharen von frisch Vermählten vor der MGU posieren, fiel leider ins Wasser.
Nach einer halben Stunde war der Spuk vorbei, die Sonne schien wieder.

Diesen abgebrochenen Ast konnten wir am Abend bei einem Spaziergang entdecken.



Beim Flanieren wurden wir dann von der nächsten Gewitterfront überrascht. Eigentlich hatten wir schon gesehen, dass ein zweites Unwetter aufzieht. Wir hatten allerdings wirklich nicht damit gerechnet, dass es so schnell direkt über uns sein würde. Auch Herr Lomonossow konnte seinen Blick nicht abwenden.



Wir waren glücklichweise nur noch einen Steinwurf entfernt vom rettenden Uni-Gebäude und flüchteten in das Haus. Hier heulte der Wind durch die Fahrstuhlschächte. Die Kinder waren beeindruckt von so viel Naturkraft. Später im Zimmer konnten wir sehen, wie sich das Gewitter über Moskau entlud.



Spannend, wenn Wetter so dicht zu sehen ist - beruhigend, wenn man dabei im Trockenen sitzt.

Donnerstag, 3. Juni 2010

Heißes Wasser geht in Sommerpause

Eben haben wir einen ganz unscheinbaren Aushang entdeckt. Handschriftlich wird dort bekannt gegeben, dass ab dem 7. Juni kein heißes Wasser mehr durch die Leitungen fließen wird!
Der Grund: das Rohrsystem wird gewartet und repariert. Jeden Sommer ist das so, es gibt für cirka einen Monat kein heißes Wasser. Wir wussten das eigentlich schon vorher. Wir dachten allerdings, es wäre erst im August so weit. Nun gut, jetzt müssen wir eben an unseren letzten 10 Tage kalt waschen und duschen. Wie war das noch mal mit dem Minimalismus? Da ist er!
Am letzten Warmwasserwochenende werden alle Leute hier wahrscheinlich noch einmal für ein paar Stunden unter die Dusche steigen und "vorduschen". Die heißen Temperaturen werden sicherlich trotzdem für "dufte" letzte Tage sorgen. Ich kann mir vorstellen, dass wir dann alle über so manchen Körpergeruch hinwegsehen. Wer duscht schon gern kalt?

Mittwoch, 2. Juni 2010

Kindertag und Regen. Was will man mehr?


Hier in Russland heißt dieser Tag nicht einfach Kindertag, sondern Kinderschutztag. Dies wird seine Gründe haben, denn Kinderrechte sind in Russland noch nicht ausreichend durchgesetzt. In Deutschland indessen entwickelt sich der Kindertag zu einem weiteren Anlass, seinen Kindern Geschenke kaufen zu können. Mir scheint, der 1.Juni reiht sich nun gleich hinter Weihnachten, Nikolaus und Ostern ein und überbrückt das Sommer-Geschenke-Loch.

Wir haben heute einen Ausflug in den Moskauer Zoo gemacht. Man sagte uns vorher, am besten wäre es an einem Wochentag und vormittags hinzugehen, sonst würde man vor lauter Menschen keine Tiere zu Gesicht bekommen. Wir hatten Glück, denn heute am Dienstag vormittag regnete es sogar noch! Besser können die Voraussetzungen wohl nicht sein. Und es gibt ja bekanntlich kein schlechtes Wetter, sondern nur schlechte Kleidung. Also patschten wir ausgestattet mit Gummistiefeln und Regenhosen (zumindest für unsere Kinder) von Gehege zu Gehege. Wenn man durch das Haupttor geht, sieht der Zoo erst einmal unheimlich klein aus. Rundherum stehen Häuser, der Blick stößt immer wieder auf die großen Gebäude hinter dem Zaun. Man kann sich gar nicht vorstellen, wie hier fast 1000 Tierarten untergebracht sein sollen. Wir bemerkten bald, dass der Zoo einfach nur sehr verwinkelt ist, um ihn zu überblicken. Will man das ganze Gelände besichtigen, muss man noch über eine Fußgängerbrücke gehen. Dort befindet sich der zweite "neue" Teil des Zoos, der im Jahr 1926 angegliedert wurde. Das alte Hauptareal ist sage und schreibe schon fast 150 Jahre alt - es wurde 1864 eröffnet.


Trotzdem hat der Zoo nur etwas mehr als 20 Hektar. Wir verwöhnten Berliner lieben nicht umsonst die Weite vom Tierpark Friedrichsfelde. Der hat immerhin 160 Hektar! Zugegeben, da hinkt jeder Vergleich.


Die obligatorischen Stände für Süßigkeiten und Spielzeug, auch Karussels und Schießbuden dürfen nicht fehlen. Teilweise erinnerte der Zoo sehr an unseren Besuch im Lunapark.


Da ist er - der russische Knut!
Ein niedlich tollpatschiges Eisbärenkind. Es war sehr erholsam, ihn zu beobachten, ohne kreischende Teenies und drängelnde Mamas wie im Berliner Zoo. Eisbären bekommen im Moskauer Zoo sehr oft Nachwuchs. Obwohl sie in sehr kleinen Gehegen leben, scheinen sie sich nicht davon abhalten zu lassen.


Giraffen, Zebras und gleich dahinter ein Wohnblock.


Obwohl viele Gehege in den letzten Jahren restauriert worden sind, sieht man noch ab und zu alte Relikte wie diese Mauer. Leider sind Grasflächen eher selten, die meisten Tiere leben auf Beton. 


Es gibt mehrere Themenhäuser. Besonders beeindruckt waren wir von den "Nachtwelten". In liebevoll gestalteten und naturnahen Terrarien huschten alle möglichen Nachttiere umher. Das war wirklich spannend. Als wir aus der Dunkelheit auftauchten, schien sogar kurz die Sonne.

Der Eintritt ist für russische Studenten kostenlos, ausländische Studenten bezahlen moderate 150 Rubel (4 Euro). Dafür wird man dann im Zoo mit Werbung förmlich überschüttet. Selbst auf den Tafeln, die etwas zur Tierart erzählen, darf Tante Google nicht fehlen.


Insgesamt entpuppte sich der Zoo als durchaus sehenswert. Die baulichen Voraussetzungen sind sicherlich nicht die besten, um gute Lebensbedingungen für die Tiere zu schaffen. Der Zoo entspricht einfach der - genau so dicht gepackten - Stadt Moskau.
Trotzdem bietet er Erholung und etwas Ruhe - zumindest an regnerischen Vormittagen.

Montag, 31. Mai 2010

Unsere Puppen können russisch!

Natalias Puppen haben sich auch gut eingelebt. Sie unterhalten sich mittlerweile sogar auf Russisch! Selbst die Kuscheltiere, die sonst eher tierische Laute von sich geben, können sich nun auf Russisch verständigen. Die Sprache, die Natalia ihnen beibringt, ist ein Phantasie-Mischmasch aus Russisch "in-echt" und Russisch "aus-Spaß". Auf jeden Fall haben sie allesamt ihre Muttersprache verlernt, wenn Nata allein mit ihnen spielt. Kein deutsches Wort zu hören! Statt dessen russische Gedichtschnipsel, Liedzeilen und Märchenfetzen.
Spannend ist es für uns, zu beobachten, wie unsere Große ausgerechnet hier in Moskau anfängt, polnisch zu reden. Sie hilft sich so in vielen Situationen weiter. Das führt natürlich manchmal zu Verwirrung, ist aber besser, als nichts zu sagen. Natalia hat generell sehr viel Freude an Sprache und spricht gut, gern und viel. Sie versteht polnisch, da Seba mit den Kindern vorrangig polnisch redet. Bisher hat sie allerdings ímmer auf Deutsch geantwortet und nur wenige polnische Wörter selbst gesagt. Die fremdsprachige Umgebung hier scheint ihren polnischen Wortschatz zu aktivieren. Bei mir ist es andersherum, wenn ich mich mit Polen hier polnisch unterhalten will, kommt immer nur russisch! Es ist für mich äußerst schwierig, zwischen den Sprachen hin- und herzuschalten.
Wir bemerken auch, dass jeder von uns anfängt, im Deutschen Fehler zu machen. Vor allem unregelmäßige Plural- oder Vergangenheitsformen werden von uns allen durcheinander geworfen. Da kommen schon ziemlich witzige Formulierungen zusammen. Besonders abends, wenn allgemeine Müdigkeit herrscht, entstehen die ulkigsten Worte. Eben zum Beispiel wollte ich etwas "relativisieren" statt zu relativieren. Sprachverwirrung.
Aber das ist auch kein Wunder. Denn gestern Abend gab es wieder einen unserer Filmabende mit internationalen Gästen. Wir schauen regelmäßig in netter Runde russische und deutsche Klassiker. Gestern war "Good Bye, Lenin!" dran. Danach wird meist bis spät in die Nacht geredet. Gestern unterhielten wir uns zum Beispiel auf Russisch, Deutsch, Polnisch und Englisch. Das macht echt Spaß. So lernt man Sprachen am besten!


Vielleicht sprechen die Kuscheltiere ja bald auch englisch...

So, so...


... da haben "wir" also den Grandprix gewonnen.
Ist ja mal selten. Unsere Bekannten hier finden den deutschen Akzent von Lena Meyer-Landrut lustig. Ich höre den, ehrlich gesagt, überhaupt nicht.
Gestern gab es wieder einmal Feuerwerk. Bestimmt war eines von den vieren (!) auch dem deutschen Sieg beim Eurovision Song Contest 2010 gewidmet. Ich weiß es nicht. Hier donnern so oft Leuchtraketen in die Luft, dass wir uns schon gar nicht mehr zum Fenster bemühen. Feuerwerks-Routine könnte man das nennen. Die Kinder schlafen selbst dann selig weiter, wenn direkt hier vorn auf der Straße geknallt wird. Vorgestern allerdings gab es Pyrotechnik auf einem ganz anderen Niveau als das Laienschauspiel, das hier jedes Wochenende von den Autofreaks vor dem Hauptgebäude veranstaltet wird. Sicherlich gibt es im Stadthaushalt einen extra Posten für Feuerwerk, denn gespart wird daran wirklich nicht. Der 28. Mai war Tag des Grenzsoldaten, das war Moskau sogar ein Synchronfeuerwerk wert. Wir nahmen uns die Zeit, das Spektakel zu beobachten und staunten, wie synchron es tatsächlich war. Morgen ist Weltnichtrauchertag, da wird wahrscheinlich kein Feuerwerk spendiert. Außer Lena ist Nichtraucherin, dann vielleicht.

Sonntag, 30. Mai 2010

Land unter - Teil 2

Letzte Woche: Platzregen!

Einige Straßen verwandelten sich innerhalb kürzester Zeit in richtige Seen. Da es in Moskau nur wenige Gullis gibt, in denen Regenwasser abfließen kann, muss man als Fußgänger schon einmal ein paar Umwege in Kauf nehmen. Oder man watet eben durch knöcheltiefes Wasser. Kommen Autos, ist es ratsam, einen Sicherheitsabstand einzuhalten, sonst ist man auch oberhalb der Knöchel nass. Seht selbst:


 



Freitag, 28. Mai 2010

Der letzte Uni-Tag

Zumindest trifft das für die Seminare zu. In dieser Woche finden zum letzten Mal die Kurse für ausländische Studenten statt. Die Sprachkurse laufen glücklicherweise weiter. Allerdings nun mit noch weniger Teilnehmern als bisher schon, weil einige jetzt bereits in ihre Heimatländer zurückgereist sind. Meine Gruppe wurde deshalb mit einer anderen zusammengelegt. Die Zeit von exklusivem Einzelunterricht, den ich einige Wochen lang genießen durfte (!), war ja schon eine Weile vorbei. Nun sind wir aber auch nicht mehr zu dritt wie zuletzt, sondern sieben Personen - mit nur einer Lehrerin! Solche Lernbedingungen findet man sicher nicht oft. Auch wenn es eher weniger am Angebot der Uni liegt, als vielmehr an der mangelnden (Sprach)Lernbereitschaft der ausländischen Studenten. Zumindest ist das in meiner Gruppe so gewesen.
Die russischen Studenten haben auch keinen regulären Unterricht mehr. Sie befinden sich mitten in der stressigen Prüfungszeit. Befreit von der täglichen Fahrt zur Uni, haben viele unserer Freunde nun mehr Zeit als in den letzten Monaten. Naht allerdings eine Prüfung, steigt die Nervosität bei fast allen extrem an. Die Anspannung bei den russischen Studenten ist wirklich deutlich zu spüren. Es ist nicht selten zu beobachten, dass jemand seinen Tränen freien Lauf lässt. Die Prüfungsbedingungen sind wesentlich härter als in Deutschland. Die Tragödie wird noch größer, wenn man weiß, dass nicht wenige Studenten ihren Platz an der Universität erkauft haben (dabei besonders viele an Eliteuniversitäten). So steht es heute in der Zeitung. Da spielt sicherlich der Druck der Familie als Geldgeber auch eine große Rolle. Abgesehen davon ist die Familie ohnehin ein wichtiger Faktor, im positiven wie auch im negativen Sinne.


Mittwoch, 26. Mai 2010

Park Kultury

Am Wochenende gab es Programm für die Kinder - Park Kultury.
Die mittlerweile bekannte Metrostation ist nach dem dortigen Vergnügungspark benannt. Er wurde 1927 eröffnet und war der erste und einzige Vergnügungspark der Sowjetunion. Direkt an der Moskwa gelegen, ist er Teil des berühmten Gorki-Parks. "I follow the Moskva, down to Gorky Park, listening to the wind of change..." sangen die Scorpions.

Passend der Empfang, denn vor dem Eingang zum "Lunapark" wird man mit überlauter Musik beschallt, die aber glücklicherweise im Park selbst nachlässt und dann nur noch an einigen Ständen zu hören ist. Der Eintritt kostet nur 4 Euro für zwei Erwachsene, Kinder bis sieben Jahre kommen kostenlos rei. Allerdings ist das wirklich nichts weiter als der eigentliche Zutritt zum Park. Möchte man die Attraktionen und Karussells nutzen, zahlt man noch einmal pro Person (!) jeweils zwischen 2 und 5 Euro. Da kommt am Ende dann doch einiges zusammen.
Die Auswahl der Angebote lässt allerdings wahrhaftig keine Wünsche offen. Es gibt mehrere Bereiche - für Erwachsene und für Kinder aller Altersstufen. Schon für die Allerkleinsten gibt es Möglichkeiten zum Austoben. So können sie zum Beispiel in verwinkelten Labyrinthen herumkrabbeln. Das kannte ich bisher nicht, dass selbst diese Altersgruppe mit einbezogen wird. Mich hat es überzeugt, Janek wollte lieber schlafen, na gut.
Dann Kinderkarussells in allen Varianten: laut oder leise, schnell oder gemütlich, fliegen oder drehen, poppig oder altmodisch. Leider immer mit Altersvorgaben, die sogar (fast überall) strikt eingehalten wurden. Da gab es für unsere kleine, eben nur fast Fünfjährige auch kein Verhandeln - die spannenderen, etwas gefährlicheren Sachen für Kinder von 5-10 Jahren musste sie den "Großen" überlassen, auch wenn die erst vier Jahre alt waren...
Natalia hat sich aber nicht entmutigen lassen, sie war noch ganz beflügelt von ihrem ersten "Ausritt". Eine Runde um den Springbrunnen auf einem Pony und sie war stolz wie Oskar.
Neben den üblichen Verdächtigen gab es auch einige sehr kuriose Attraktionen. In Moskau sind uns schon oft ungewöhnliche Tiere mitten auf der Straße begegnet. Da steht dann mal eben als Werbung für den Zirkus jedes Wochenende ein ausgewachsenes Kamel an der großen Kreuzung. Oder man kann vor dem Einkaufszentrum mit einer Riesenschlange posieren und das Foto nach dem Shoppen abholen. So auch im Vergnügungspark, hier konnte man sich entscheiden zwischen zwei niedlichen Standard-Schlappohr-Häschen, einem entspannten Kuschel-Leoparden oder einem profanen Tiger. Der Tiger war wohl eher nicht so beliebt, den haben wir selbst erst nachher auf unseren eigenen Bildern entdeckt, weil er ganz hinten auf der Bühne lag.


Der hier ist nicht echt, auch wenn er sich bewegt hat und mit uns gesprochen hat, während wir in einem kleinen Boot unter ihm durchfuhren.


An vielen Stationen stand Wasser im Mittelpunkt. Es gab so etwas wie Autoscooter, nur mit kleinen Motorbooten. Da wurde ordentlich gerempelt, aber natürlich erst ab 5 Jahre und nur mit einem Erwachsenen zusammen. Diese Idee auf dem nächsten Bild hat uns umgehauen. Die Kinder konnten durch einen großen Reißverschluss ins Innere des Ballons schlüpfen, dann wurde die Öffnung wasserdicht zugezogen und der Ballon mit einem Gebläse aufgepustet. Wie witzig und originell!


Ganz konventionell, aber immer wieder zum kaputtlachen waren die verzerrten Spiegelbilder. Ich konnte mich gar nicht mehr beruhigen. Das war ein Spaß! Lustig ist, dass man sich echt dick fühlt, wenn man in solch einen Spiegel schaut.


Im Hintergrund sieht man schon die nächste Spezialität des Lunaparks: ein Raumschiff. Zwar nur eine Nachbildung, aber immerhin kann man da drin echte Kosmonautennahrung aus der Tube probieren. Das haben wir nicht gemacht, wir hatten Stullen und Würstchen mit.


Das ist der obligatorische Gute-Laune-Zug, voll beladen mit russischen Märchenfiguren und anderen Helden. Ein paar Besucher passen aber auch noch rein.


Wo Kinder sind, ist auch mindestens ein Spielzeugverkäufer. Und wo ein Spielzeugverkäufer ist, gibt es auch mindestens die Grundausrüstung an Waffen. Manche Jungs hier laufen rum wie im Ernstfall, bewaffnet bis an die Milchzähne.


Und die Mädels?



Angetan waren wir von der natürlich gewachsenen Struktur des Parks. Das ursprüngliche Gelände wurde im Laufe der Zeit ausgedehnt und ziemlich planlos mit Karussells bestückt. Dadurch blieben viele versteckte ruhige Ecken. Das war um Längen erholsamer als die durchgeplanten und perfekt organisierten High-End-Parks, in denen man kaum vom Wegeleitsystem abkommen darf.

Mit Sicherheit werden wir noch ein zweites Mal hierher kommen. Wir haben nämlich noch Guthaben auf unserer Chipkarte, mit der man an jeder Station bargeldlos bezahlt. High-End auf dem zweiten Blick...

Montag, 17. Mai 2010

Der konservative Biorhythmus

22:15 Uhr - uff, die Kinder schlafen endlich.
An den letzten Abenden waren die beiden noch länger wach. Denn die biologische Uhr ist konservativ und will sich noch nicht so recht mit der neuen Zeit anfreunden. Auf dem Weg nach Moskau wurden uns nämlich zwei Stunden geschenkt.(Naja eigentlich sind sie nur geliehen, wir müssen sie auf dem Weg nach Berlin leider wieder abgeben.) Deshalb konnten wir alle in den ersten Tagen erst extrem spät einschlafen. Eigentlich hatten wir befürchtet, dann morgens auch extrem spät aufzuwachen. Dem war aber glücklicherweise nicht so, die Uni hat darunter nicht gelitten.
Wenn es einfach nur die Zeitverschiebung wäre, hätten wir das Problem sicher bald hinter uns - so wie im Februar bei unserer ersten Anreise. Es gibt allerdings noch eine kleine Herausforderung für den Biorhythmus: Es ist hier im Sommer länger hell!
Moskau liegt immerhin auf demselben Breitengrad wie Kopenhagen!
Im Vergleich zu Berlin fängt die Dämmerung hier eine dreiviertel Stunde später an. Das klingt nicht viel. Aber es ist erst gegen 22:30 Uhr richtig dunkel. Bis zum Juni wird sich das natürlich noch weiter nach hinten verschieben. Dann ist der Moskauer Tag eine ganze Stunde länger.
Ich hoffe, unsere Kinder werden sich beim Einschlafen genau so gut an die Helligkeit gewöhnen wie an den Lärmpegel der Stadt.

Übrigens hat die Natur sich wirklich mächtig ins Zeug gelegt. Der Abstand von einem Monat ist aufgeholt. Eine Freundin nannte das mal so: "Erst ewig nichts, dann ploppt´s auf einmal!"

Und noch ein Bild, das an einem dieser extrem langen Abende entstanden ist - Morgendämmerung über Moskau um halb fünf...



Mit einem Klick könnt Ihr dieses Panorama vergrößern.

Sonntag, 16. Mai 2010

Moskau - sonnig und heiß

Die Aufregung vom Mittwoch ist - im wahrsten Sinne des Wortes - verflogen. Nun ist alles aufgeklärt: das Gespräch zweier Passagiere über die Entführung unseres Flugzeugs stellte sich als ein Missverständnis heraus. Hier ein abschließender Bericht der "Welt Online".
(Allerdings kommt die Polizei in Berlin Tegel nicht zur Ruhe. Sie hatte erneut die Möglichkeit, für den Ernstfall zu proben. Es gab eine Bombendrohung, die sich später als falscher Alarm herausstellte.)

Nach unserer langen Reise von Berlin nach Moskau haben wir uns für den Weg vom Flughafen zum Wohnheim ein Taxi gegönnt. Wir wollten die 50 km eigentlich mit dem Zug und der Metro fahren, das wäre billiger gewesen (600 Rubel, 16 Euro). Durch die Verzögerung in Berlin kamen wir aber nicht wie geplant um 16 Uhr an, sondern erst um 21:30 Uhr.
Am Flughafen steht immer eine ganze Armee von Taxifahrern. Sie versuchen, potenzielle Kunden mit Fotos ihrer Autos (und vor allem mit der Automarke) zu überzeugen. Der Flughafen indes ist nicht überzeugt von ihnen und teilt auf großen Warnschildern mit: BEWARE OF PRIVATE TAXI DRIVERS! - FRAUD IS POSSIBLE WHEN PAYING - NO SAFETY GUARANTEED. Es kommt wohl manchmal vor, dass extra Umwege gefahren werden, um den Preis hochzutreiben oder dass vorher verabredete Preise nicht eingehalten werden. In den privaten Taxis gibt es keine Taxameter, dafür sind sie billiger als die offiziellen Unternehmen. Wir einigten uns mit einem Fahrer auf 1500 Rubel (40 Euro) für die Fahrt bis zum Wohnheim - Koffer tragen, sehr angenehme Unterhaltung und Konfety für die Kinder (Süßigkeiten) inklusive!



Jetzt ist auch in Moskau alles grün. Die Hitze hat uns am ersten Tag fast erschlagen.
Plötzlich ist Sommer.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Wir sollten doch nicht entführt werden - alles nur ein Missverständnis

Es war also doch keine Entführung geplant. Alles nur ein Missverständnis. Die deutsche Polizei hat sich schon bei den beiden russischen Piloten entschuldigt. Sie verbrachten die ganze Nacht in Gewahrsam und wurden vier Stunden lang verhört.
Ich kann von hier aus nicht beurteilen, welchen Platz diese Meldung in den deutschen Nachrichten einnimmt. Aber hier weiß fast jeder davon. Ich würde zwar nicht, wie manche User im Internet, von Hysterie sprechen, aber es ist deutlich spürbar, dass die Menschen angespannt sind. Da kann es eben auch passieren, dass durch ein mitgehörtes Gespräch ein Großeinsatz ausgelöst wird. Trotzdem bin ich - vor allem als Passagier eben dieser Maschine - froh, dass jedem Hinweis so gründlich und (tatsächlich!) besonnen und ruhig nachgegangen wird. Die Piloten hätten vielleicht gerade nach diesem Training wissen müssen, dass sie sich mit diesem Gespräch eventuell verdächtig machen könnten.

Mittwoch, 12. Mai 2010

Tegel - Glück gehabt?!

Manchmal wundert man sich, in welche Situationen man geraten kann. Heute war wieder so ein Tag:
Wir sind am Morgen um 9 Uhr nach Berlin Tegel aufgebrochen um zurück nach Moskau zu fliegen. Es gab dann aber eine Verspätung von insgesamt 5 Stunden und viel Ratlosigkeit unter den Passagieren.
Nun wissen wir, was los war. Hier ein paar auf die Schnelle zusammengesuchte Artikel. Nach 12 Stunden Reise wollen wir alle jetzt nur noch ins Bett.

Morgenpost - Entführung vereitelt
Spiegel - Entführungsverdacht
Zeit - Verhaftungen in Tegel
Focus - verhinderte Flugzeugentführung

Sonntag, 9. Mai 2010

Parade verpasst?

Hier Videos der Militärparade von RussiaToday, einem englischsprachigen Nachrichtensender in Moskau.
Beeindruckend war es auf jeden Fall.






Livestream Militärparade auf dem Roten Platz

Heute ist der große Tag!
Muttertag, ja.
Aber auch Tag des Sieges.

Phönix sendet noch bis 9:15 Uhr live aus Moskau.
Auch Ria Novosti überträgt die Parade in Echtzeit. Hier wird man wahrscheinlich länger zuschauen können.
Wir warten noch auf die Berichte unserer "Korrespondenten" in Moskau. Wir kennen allerdings keinen, der plant, sich in die Menschenmenge direkt am Roten Platz zu begeben. Von der Uni aus hat man aber so einen guten Blick über Moskau, man wird zumindest die Luftwaffe mit Sicherheit gut sehen können.

Dienstag, 4. Mai 2010

Berlin - regnerisch und kühl

Wir sind gut angekommen. Um 13 Uhr im Wohnheim los, dann mit viel Gepäck in die Metro zum Flughafenexpress. Nach zwei Stunden und 30 Minuten Flug standen wir erst einmal im Regen. Echt kein schönes Wetter hier in Berlin. Aber alles ist so grün!!! Die Natur ist bestimmt einen gefühlten Monat weiter als in Moskau. Hier blüht schon der Flieder und in Moskau gab es eben erst Osterglocken und Tulpen.
 Insgesamt waren wir acht Stunden unterwegs. Meine Eltern haben uns abgeholt und zu Hause alles vorbereitet. Durch die Zeitverschiebung waren wir gestern verhältnismäßig lange wach. Es war seltsam, nach so langer Zeit wieder in die Wohnung zu kommen. Ich wusste zum Beispiel gar nicht mehr, wo in der Küche die Tassen sind. Ganz oft taste ich nach dem Lichtschalter und greife ins Leere - sie sind im Wohnheim viel höher angebracht. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier! Es ist gut, sich ab und zu daran zu erinnern.
Wir haben uns gefreut wie die Kinder über Dinge, die für uns sonst immer so selbstverständlich waren: Trinkwasser aus dem Hahn, Teppich unter den Füßen, unser großes Bett, die Waschmaschine, Wasserkocher, Geschirrspüler. Wir wissen das sehr zu schätzen. Aber nun ist es uns vielleicht bewusster, wie gut wir es haben.
Wirklich gestaunt habe ich darüber, dass es hier so ruhig ist. Obwohl wir nicht besondes ruhig wohnen, war der Unterschied zu Moskau deutlich spürbar. Ich bin heute von Vogelgezwitscher aufgewacht!
Naja, eigentlich bin ich wach geworden, weil Janek über mich gekrabbelt ist... um halb sechs... aber gleich danach habe ich die Vögel gehört!

Montag, 3. Mai 2010


Die Fahne ist gehisst - riesengroß und gut sichtbar.

Von dort hinten sieht es Richtung Universität so aus:

Samstag, 1. Mai 2010

Fahnen, Plakate, Abzeichen

Die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zum 9.Mai - den Tag des Sieges über den Faschismus - verändern die Stadt. Immerhin jährt sich dieses Ereignis nun das 65. Mal. Überall hängen Plakate, Fahnen werden gehisst, die Leute schmücken ihre Kleidung oder die Autos mit den typischen orange-schwarz-gestreiften Bändern.


Es ist eine gigantische Militärparade auf dem Roten Platz geplant, für die vorher mehrere Proben stattfinden werden.
Gestern wurde von uns aus in Richtung Stadion ein riesiger Mast aufgestellt. Ich bin gespannt, wofür der gut ist, aber ich ahne es schon.



So richtig wohl ist uns nicht. Wir sind es einfach nicht gewöhnt, so viel Kriegssymbolik zu sehen. Der Tag des Sieges ist wirklich allgegenwärtig. In Deutschland dagegen streitet man sich monatelang darüber, nur das Wort "Krieg" zu benutzen.

Mittwoch, 28. April 2010

Bücher sind Lebensmittel


Das Aprilwetter ist nun auch in Moskau angekommen. Wie üblich für diese Jahreszeit wechseln sich strahlender Sonnenschein und blauer Himmel ab mit Wolkenbrüchen und Stürmen, es gab sogar noch einmal Schnee. Dies ist eine Regenfront, die innerhalb weniger Minuten über Moskau hinweggezogen ist. Ein faszinierendes Naturschauspiel.

In Moskau ist es nicht erlaubt, einfach so in der Öffentlichkeit mit einer Bierflasche umherzulaufen. Einige Leute sitzen deshalb jetzt bei schönem Wetter auf Bänken und trinken quasi aus Plastiktüten. Darin verstecken sie den Alkohol. Da Papierkörbe hier eher selten anzutreffen sind, sieht es nachher so aus. Die beliebten Sonnenblumenkerne haben auch Spuren hinterlassen.


Wir sind langsam aber sicher bei den Vorbereitungen für unseren kurzen "Heimaturlaub". Bald geht es für einige Tage nach Deutschland. Seba muss ein Seminar an der Uni besuchen, das sich nicht verschieben oder ersetzen lässt. Als sich herausstellte, dass es wirklich nicht anders geht, waren wir erst einmal alles andere als begeistert. Nun haben wir uns damit arrangiert und sehen auch die Vorteile: Wir freuen uns schon darauf, Familie und Freunde wiederzusehen. Wir benötigen keinen HIV-Test. Und Winterklamotten können wir auch schon nach Hause bringen, die brauchen wir jetzt nicht mehr. Aber eigentlich ist dieser Kurztrip nach Berlin mittlerweile sogar unentbehrlich geworden, denn wie sonst sollten wir die hier gekauften Bücher wegschaffen? Es sind immerhin 42 Kilo...


Guten Appetit!

Samstag, 24. April 2010

Bilderflut

So viel zum optimalen Tag , denn der ließ sich hier schon seit geraumer Zeit nicht mehr blicken.
Janek schläft vormittags nun doch nicht mehr - dafür hat er keine Zeit, er muss doch so viel Wichtigeres tun: mit Besteck essen, rennen, Treppen steigen, mit seinen Händen sprechen oder beim Wäsche waschen helfen. Am Nachmittag sind wir sehr viel draußen, richten uns in Gebüschen häuslich ein und kochen Blättersuppe. Seba kämpft seit einer Woche mit Birkenpollen und hofft auf Regen. Ich versuche es so hinzubekommen, dass die Kinder nicht unterwegs schlafen, damit ich auch tagsüber lernen kann. Abends muss ich dann alles dreimal lesen, eh ich es verstanden habe. Es gab schon Tage, an denen hielt meine Konzentration länger an.

Und ich bin noch einige Bilder schuldig. Voilà! Lasst Euch berieseln.

Der Osterhase ist extra bis nach Moskau gekommen, um für unsere Kinder Ostereier zu verstecken. In Russland werden die gefärbten Eier nicht versteckt, sondern einfach so verschenkt.


Die schmelzenden Schneemassen haben an vielen Stellen tiefe Furchen in den lehmigen Boden gespült.


Die Gehwege verwandelten sich in Bäche.




Ein prima Spielplatz für die Kinder. Gut, dass wir mit wasserdichten Klamotten ausgestattet waren.
Es hat fast zwei Monate gedauert, bis kein Schnee mehr zu sehen war. Dafür kamen die warmen Temperaturen dann umso heftiger.

Deutlich gespürt haben wir dabei den Farbwechsel:
Von schneeweiß...

...über grau...

...vorbei an ersten Farbtupfern...
 

 


...hin zu einer wohltuenden Farbenpracht!

Moskau blüht auf.



Enten sind herzlich willkommen. Im Park bekommen die Vögel so viel Futter, dass die Wege voll mit Brot und Haferflocken liegen.

Die Leute wirken ausgelassen und genießen das Ende des harten und langen Winters. Erstaunlicherweise greifen viele Menschen hier auch dann nicht wieder zum Wintermantel, wenn es (so wie jetzt) wieder kälter wird - Frühling ist Frühling.


Der Winter hat deutliche Spuren hinterlassen.


Vor unserem Fenster am Haupteingang zur Universität toben sich jeden Abend und das ganze Wochenende junge Leute mit unterschiedlichsten Fahrzeugen aus. Bis in die Nacht hinein werden mit Sportwagen Rennen gefahren bis die Reifen quietschen. Tagsüber haben Motorradfahrer, ellenlange Limousinen oder kleine ferngesteuerte Rennflitzer die Straße fest im Griff.


Im Frühlingsschwung der letzten Zeit hat unsere Tochter mal eben das Schaukeln gelernt und erklärte mir: "Das kann man nicht sagen, wie man das machen muss - das muss man fühlen!"


An Straßenrändern oder auf Gehwegen parken sehr oft solche fahrbaren Kioske. Aus einem klitzekleinen Fenster schaut der Verkäufer.


Moskau ist eine schnelle Stadt, das hörten wir vor unserer Reise schon. Wie sich das bemerkbar macht, lässt sich sogar fotografieren: Diese Metro-Anzeige gibt (sekundengenau!) die Uhrzeit an und zählt (sekundengenau!) die Zeit, die seit der letzten Metro-Abfahrt vergangen ist. Wobei dieses Bild fast schon Seltenheitswert hat, denn normalerweise vergehen kaum zwei Minuten bis die nächste Metro einfährt. Faszinierend ist, dass viele Menschen trotzdem rennen, um die Bahn zu bekommen.



Hier ist das Gebäude, in dem sich die philologische Fakultät befindet. In zehn Minuten Fußweg ist man vom Hauptgebäude aus dort.

Alle Unterrichtsstunden von Seba und mir finden hier statt. Die meisten Unterrichtsräume sind sehr klein, es passen nicht mehr als zehn Studenten in einen Raum. Denn das Betreuungsverhältnis von Dozenten und Studierenden ist, soweit ich das beurteilen kann, sehr gut.
In meinem Sprachkurs war ich lange Zeit ganz allein mit meiner Lehrerin! Die anderen drei Studenten sind irgendwann nicht mehr gekommen. Das war harte Arbeit für mich - 4 Stunden Intensivkurs. Nun sind wieder zwei andere dort und wir lernen zu dritt. Es kommen auch jetzt noch, mitten im Semester neue Studenten dazu. Die Lehrenden, die ich kennengelernt habe, sind sehr aufgeschlossen und nehmen jeden Lerner gern auf. Diesen lockeren Umgang mit Anwesenheit und Lernbereitschaft hatte ich, ehrlich gesagt, nicht erwartet.


Direkt vor dem Gebäude befindet sich ein Mahnmal in dem ein ewiges Feuer brennt. Natalia wurde beim ersten Besuch dort ganz still und sagte dann ehrfürchtig: "Es sieht aus, als ob da unten ein Drache sitzt, der Feuer spuckt..."


Hier steht: Den Studenten und Mitarbeitern der MGU, die gefallen sind im Kampf für die sowjetische Heimat im Großen Vaterländischen Krieg 1941-1945

Das Thema Krieg ist im Moment in der Öffentlichkeit sehr präsent, da am 9.Mai der Tag des Sieges über den Faschismus gefeiert wird. Es ist schade, dass wir genau in dieser Zeit gerade in Deutschland sind. Sicherlich wäre es interessant, die Stimmung in Moskau direkt zu erleben.